Zur Abmahnung durch Herrn Ferchichi

Posted on 17. Juli 2010

8



Die Piratenpartei hat eine Abmahnung erhalten. Von Herrn Ferchichi. Genauer: von Herrn Ferchichis Anwalt. Weil wir ganz ganz pöse Filesharer seien und das Urheberrecht verletzt hätten, indem wir ein Lied Herrn Ferchichis über das Internet verbreitet haben sollen.

Herr Ferchichi (nein, ich werde ihn nicht bei seinem grotesk-peinlich unangemessenem und unpassendem Pseudonym nennen) ist jemand der gern und oft schimpft. Besonders gerne über Frauen und Homosexuelle. Zumindest, solange man damit Geld verdient und einem in den Augen sich selbst für krasse Ghetto-Kids haltende pubertierende deutsche Nachwuchs-Gangsta ganz viel konkret krasser Respekt und Ehre dafür zusteht. Aber weil man mit Schimpfen und Beleidigen allein offenbar nicht genug Geld einnimmt (zumindest in Augen Herrn Ferchichis) müssen andere Einnahmequellen her.

Diese Einnahmequellen sucht er bei jenen, die sein Schimpfen und Beleidigen derartig toll finden, dass sie der Ansicht sind, möglichst viele sollten sich daran ergötzen. Deshalb verschickt der Herr Ferchichi (bzw. sein Anwalt) Abmahnungen an all seine Gutfinder, die der Idee verfallen, sein Schimpfen und Beleidigen über Internet-Tauschbörsen zur Verfügung zu stellen.

So Abmahnungen sind eine tolle Sache. Damit kann man nämlich Geld einnehmen, ohne wirklich etwas dafür tun zu müssen (Ist das eigentlich gerecht gegenüber denen die… ach lassen wir das…). Man schickt einfach ganz viele Briefe an all diejenigen, die dumm genug sind, einen toll zu finden und andere daran teilhaben lassen zu wollen. Und für das Verschicken der Briefe bekommt man dann Geld. Klasse. Das verdient bestimmt ganz doll viel konkret krassen Respekt und Ehre.

So wunderbar melkbare dumme Gutfinder meint Herr Ferchichi (bzw. sein Anwalt) nun in der Piratenpartei gefunden zu haben. Denn die soll eine Datei mit Schimpfen und Beleidigungen von ihm über den Internet-Anschluss der Berliner Geschäftsstelle in eine Tauschbörse gebracht haben, damit auch viele andere dumme Gutfinder sie sich anhören können. Also hat Herr Ferchichis Anwalt der Piratenpartei einen von diesen vielen Briefen geschickt, mit denen sich so leicht Geld einnehmen lässt.

Nun herrschte in der Vorstandssitzung der Piratenpartei, in der dies öffentlich bekannt wurde, vergleichsweise Ratlosigkeit, da sich ein solcher Gutfinder Herrn Ferchichis bisher einfach nicht finden ließ und man sich bisher nicht erklären kann, wer denn das nun wie getan haben sollte. Also beschloss man, nochmal nett den Kontakt zu Herrn Ferchichi (bzw. seinem Anwalt) zu suchen und die Reaktion abzuwarten. Allgemein werden die Chancen eines konstruktiven Kontaktes jedoch eher schlecht eingeschätzt, zumal nettes Reden Herrn Ferchichi (bzw. seinem Anwalt) sicher viel zu wenig konkret krassen Respekt und Ehre bringt.

Rechtlich hat Herr Ferchichi (bzw. sein Anwalt) dabei durchaus alle Vorteile auf seiner Seite. Das ganze ist dabei Teil eines ganz konkret krassen Geschäftsmodells, dessen sich auch viele andere Musiker (oder zumindest Sich-für-solche-Halter) bedienen und das sich bewährt hat. Das sieht ungefähr so aus:

Man findet das Urheberrecht doof und bedient sich fleißig und wo man nur kann an den Werken anderer Künstler und Sich-für-solche-Halter, ohne dafür zu bezahlen oder darüber zu reden. Dann verdient man damit ganz viel Geld, ohne den anderen Künstlern oder Sich-für-solche-Haltern davon etwas abzugeben. Wenn das dann rauskommt, muss man dann zwar manchmal doch einen Teil des Geldes rausrücken, aber das macht nichts. Denn mittlerweile findet man das Urheberrecht wieder toll und schickt all jenen, die das Ergebnis des vorherigen Dooffindens so toll finden, dass sie das Urheberrecht auch doof finden und die Resultate über das Internet verbreiten, diese tollen Briefe für die man Geld bekommt. Zumindest im zweiten Teil (nach dem Wieder-toll-finden des Urheberrechts), dem mit den Briefen, sagen dann Gesetzgeber und Gerichte in der Regel, dass das alles schon so seine Richtigkeit hat.

Was die Gutfinder von Herrn Ferchichi (und seinem Anwalt) allerdings dazu sagen, weiss ich nicht. Ich zumindest hab bisher auch noch keinen finden können.

Advertisements
Posted in: Piraten, Urheberrecht