Homöopathie IV – Die Ausreden

Posted on 14. Juli 2010

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Homöopathie wirkt nicht und kann nicht wirken. Das haben wir im Rahmen dieser Reihe bereits festgestellt. Sie ist nichts weiter, als wirkstoffloses, rituell geschütteltes Wasser oder auch Zucker, der mit diesem Wasser beträufelt wurde. Tatsächlich ist die Sachlage diesbezüglich noch viel vernichtender, als ich im Rahmen dieser Artikelreihe zu verdeutlichen vermag.

Dennoch lassen sich Homöopathen und ihre Anhänger nicht von ihren abstrusen Ideen abbringen. Sie haben statt dessen jede Menge Ausreden, mit denen sie zeigen möchten, dass sie dennoch recht haben und/oder jede Menge Scheinargumente, mit denen sie die Homöopathie in ein besseres Licht rücken möchten, als ihr zusteht. Von diesen möchte ich hier nur einige wenige aufgreifen und beleuchten, die mir besonders oft begegnen.

Beginnen möchte ich dabei mit zweien meiner Lieblinge. Ein „Argumente“-Paar, das sich ganz herrlich widerspricht.

Zum einen wird gerne behauptet, die Wirksamkeit der Homöopathie ließe sich damit belegen, dass sie ja auch bei Tieren wirke. Vor allem, weil es bei diesen ja keinen Placebo-Effekt geben könne. Dass dem nicht so ist und tatsächlich auch ein Placebo-Effekt bei Tieren nachgewiesen werden konnte, habe ich im vorherigen Artikel bereits angesprochen.

Richtig albern wird diese Behauptung aber in Paarung mit dem „Argument“, Homöopathie sei allein schon deshalb die wertvollere und sinnvollere Behandlung, weil sie im Gegensatz zu echten Medikamenten nicht in Tierversuchen getestet würde. Da frage ich mich: Wie genau belegen Homöopathen die behauptete Wirksamkeit bei Tieren, ohne die Mittel an Tieren zu testen? In der wirren Geisteswelt der Homöopathen scheint dies kein Widerspruch zu sein.

Grundsätzlich wird gerne betont, dass homöopathische Mittel schon deshalb die „bessere“ Wahl seien, weil sie „natürlicher“ seien. Homöopthie wird gerne auch in einem Atemzug mit echten Naturheilmitteln genannt und von vielen, die nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt, auch als Naturheilkunde betrachtet. Hier ist wichtig anzumerken: echte Naturheilkunde ist nicht deshalb toll, weil sie aus der Natur kommt, sondern weil die Mittel eine nachgewiesene und reproduzierbare Wirkung haben, für die es eine plausible und belegbare Erklärung gibt. Echte Naturheilkunde ist frei von esoterischen Vorstellungen.

Leider trifft dies auf vieles, was unter dem Etikett der Naturheilkunde verkauft wird nicht zu. Jede Menge esoterischer und teilweise sogar erwiesen schädlicher Unfug wird damit vermarktet dass er eben natürlich sei. Aber „natürlich“ bedeutet eben nicht zwangsläufig „besser“ oder „wirksamer“. Einen recht aktuellen Höhepunkt erlebte dieser Irrsinn kürzlich im Zusammenhang mit dem Ausbruch des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen. Da wurde doch tatsächlich in den Nachrichten die Behauptung geäußert, im Gegensatz zum gefährlichen städtischen Feinstaub seien Staub und Asche des Vulkans völlig unschädlich und unbedenklich, da sie ja natürlichen Ursprungs seien. Das ist, man verzeihe mir die Ausdrucksweise, selten dämlicher Blödsinn.

Auf diesem Irrsinns-Zug der Natürlichkeit versucht die Homöopathie als Trittbrettfahrer mit zu reisen. Dabei ist sie alles andere, als natürlich. Denn wie zuvor bereits geschrieben: grundsätzlich kann alles zu einem homöopathischen Wirkstoff werden, ganz gleich, welchen Ursprungs es ist und ob es natürlich oder auch synthetisch gewonnen wurde. Und homöopathisches Mittel ist es dann ja gerade nicht in seiner natürlichen Form, sondern bis zum Nichtvorhandensein verdünnt, wobei eine geheimnisvolle Heilkraft, die den Wirkungen des Ausgangsstoffes in seiner natürlichen Form genau entgegengesetzt ist, auf geradezu magische Weise auf das Verdünnungsmedium übergehen soll.

Für die Diskrepanz zwischen Weltbild und Faktenlage haben die Homöopathen natürlich auch einige eigene Erklärungsansätze. So wird sich gerne darauf berufen, dass jegliche wissenschaftliche Methodik von vornherein schlicht unbrauchbar sei, die Wirksamkeit der Homöopathie festzustellen. Blöderweise ist das aber die einzige Methode, mit der man die Wirksamkeit von etwas nachweisen kann. Auch die Homöopathen haben keine alternative Nachweis-Methode zu bieten, weder eine funktionierende noch eine nicht funktionierende. Andererseits widersprechen sie sich auch in diesem Punkt gerne selbst, indem sie sich auf jede Studie stürzen, die in ihr krudes Weltbild passt und den vermeintlichen Triumph feiern. Von diesen Triumphen bleibt jedoch nichts übrig, wenn man sich die entsprechenden Studien genauer ansieht. Keine einzige davon war korrekt und reproduzierbar.

Zur Ehrenrettung zwar nicht der Homöopathie, aber immerhin ihres Begründers Hahnemann sei angemerkt, dass dies wohl nicht in seinem Interesse gewesen wäre. Er hat sich im Rahmen seiner Möglichkeiten und auf der Höhe der damaligen Zeit durchaus bemüht, korrekt zu arbeiten. Nur gab die Höhe der Zeit nicht allzu viel her. Die damalige Medizin basierte tatsächlich in weiten Teilen auf den Lehren des Paracelsus und ihren stark esoterisch-alchimistischen Einschlägen. Viren und Bakterien waren als Verursacher von Krankheiten gänzlich unbekannt (und ihre Funktion als Krankheitserreger wird auch heute von vielen Homöopathen geleugnet). Vor diesem Hintergrund war Hahnemann ernsthaft um Verbesserungen und Wissenschaftlichkeit bemüht und seine Ansätze waren unter den gegebenen Rahmenbedingungen zunächst gar nicht mal so dumm. Sie stellten sich nur als Irrweg heraus und dumm ist es allein, wider besseren Wissens an diesem Irrweg festzuhalten.

Doch derlei Argumenten sind Homöopathen und ihre Anhänger nicht wirklich zugänglich. Statt dessen lässt so mancher unter ihnen die Homöopathie lieber den Weg beschreiten, der jeder esoterischen Heilslehre früher oder später beschieden ist: den der Verschwörungstheorie. Die Lehren sind natürlich die absolute Wahrheit und das ist bereits bewiesen. Diese Wahrheit wird nur im besten Fall ignoriert und im schlimmsten Fall aktiv unterdrückt. Derlei Homöopathiefreunde werfen damit den Ablehnern der Homöopathie genau das vor, dessen sie sich selbst schuldig machen.

An dieser Stelle könnte ein Homöopath nun einwenden, dass man sich dessen ja gar nicht schuldig machen könne, da noch niemand bewiesen habe, dass Homöopathie nicht wirkt und damit hätte er streng genommen gar nicht mal unrecht. Tatsächlich hat noch nie jemand die zweifelsfreie Unwirksamkeit der Homöopathie vollständig bewiesen. Doch durch die streng genommene Richtigkeit dieser Aussage, wird daraus noch kein Argument. Denn zum einen kann so ein Beweis nicht wirklich geführt werden und zum anderen liegt genau deshalb die Beweislast grundsätzlich bei dem, der eine Behauptung aufstellt, in diesem Fall den Homöopathen.

Doch auch soweit die Anhänger die Studien und ihre Ergebnisse akzeptieren, haben sie natürlich jeweils im Nachhinein eine Menge Entschuldigungen bzw. Ausreden, warum die jeweilige Studie gar kein anderes Ergebnis liefern konnte, sie aber dennoch Recht haben. Da wurde dann das Mittel nicht genau genug auf den Patienten bzw. die Testperson abgestimmt, oder es wurden die reinen homöopathischen Lehren nach Hahnemann missachtet, oder wahlweise auch irgendeine modernisierte Überarbeitung, die ja eh viel besser sei, oder die Testphase war zu lang, oder zu kurz, oder, oder, oder.

Neben diesen und vielen anderen Dingen soll dabei auch die Ernährung eine entscheidende Rolle spielen. Sprich, die Unwirksamkeit wird der Tatsache zugeschrieben, dass etwas falsches gegessen oder getrunken wurde. Der Katalog, was dabei wann wie gegessen werden darf oder eben auch nicht ist dabei so umfassend und hanebüchen, dass die entsprechenden Auflagen praktisch unerfüllbar sind. Am besten sollte man vielleicht gar nichts essen (und auch nichts trinken), um die angebliche Wirksamkeit nicht zu gefährden. Neben der praktischen Schwierigkeit unangenehmen Hungers und seiner Folgen wird aber auch das garantiert den Effekt haben, dass die Homöopathen sagen, genau das dürfe man nicht tun, denn sonst könne das Mittel ja nicht wirken.

Ganz besonders problematisch ist, dass man nebenher auch keine anderen Mittel nehmen darf, um die Wirkung nicht zu gefährden. Schon gar keine echten Medikamente. Spätestens da wird es dann richtig gefährlich. Und um derartige Gefahren und sonstige Probleme im Zusammenhang mit der Homöopathie soll es im nächsten Teil gehen.

Heute gibt es zur Überbrückung bis zum nächsten Artikel gleich zwei Dinge. Zum einen eine wunderbare, sehr umfassende Liste solcher Ausreden und Scheinargumente. Praktischerweise direkt auch unter die Lupe genommen und zerpflückt:

http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=264

Das heutige Video stammt aus der Fernsehdokumentation „The Enemies of Reason“ des Biologen und Skeptikers Richard Dawkins, in der dieser sich allerlei Alternativmedizin und Esoterik vorknöpft. Es beinhaltet viele Dinge, die im Rahmen dieser Reihe schon besprochen wurden und einige, um die es auch im nächsten Teil gehen wird.

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