Homöopathie III – Sie wirkt nicht. Ehrlich.

Posted on 13. Juli 2010

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Bei all der Arbeit, die hinter der Entwicklung echter Medikamente steckt, gilt es, verschiedene Dinge zu berücksichtigen. Dies gilt auch und gerade, wenn es darum geht, herauszufinden, ob und wie gut das neue Medikament wirkt. Auf diese Weise lassen sich auch homöopathische Mittel beurteilen und das Ergebnis ist, euphemistisch ausgedrückt, ernüchternd.

Wie sieht das Verfahren genau aus?

Zunächst einmal braucht man natürlich Versuchspersonen. Welche Eigenschaften diese Personen mit sich bringen müssen, hängt davon ab, was genau man testen möchte. Je mehr Versuchspersonen man hat, desto besser, denn umso repräsentativer wird die Untersuchung. Klar, eine Studie mit 1000 Versuchspersonen liefert natürlich bessere und sicherere Informationen, als eine mit 10 Versuchspersonen.

Diese Versuchspersonen müssen aufgeteilt werden. Und zwar in mindestens zwei Gruppen (Ein Grund mehr, mit möglichst vielen Versuchspersonen zu arbeiten). Mit diesen zwei Gruppen kann man die Wirksamkeit eines Mittels testen. Will man hingegen mehrere Mittel miteinander vergleichen, braucht man entsprechend mehr Gruppen. Will man zwei Mittel miteinander vergleichen braucht man z.B. mindestens drei Gruppen.

Bleiben wir beim Test nur eines Mittels und den entsprechenden zwei Gruppen. Die Aufteilung in die zwei Gruppen sollte derart sein, dass beide Gruppen gleichermaßen repräsentativ sind. Man kann also nicht einfach z. B. alle Männer oder alle Alten in eine Gruppe stecken und alle Frauen oder alle Jungen in die zweite Gruppe. Am besten ist die Verteilung völlig zufällig.

Diese Aufteilung hat einen einfachen Grund: nur eine der beiden Gruppen erhält das zu testende Mittel. Die andere erhält ein völlig wirkstoffloses Scheinpräparat. Dabei ist sehr wichtig: weder die Versuchspersonen, noch die die Untersuchung durchführenden dürfen wissen, wer welches der beiden Mittel erhält. Dadurch soll vermieden werden, dass zum einen die Erwartungshaltung der Versuchspersonen das Ergebnis verfälscht, zum anderen, dass die Tester die Versuchspersonen absichtlich oder unbewusst beeinflussen, und zu guter Letzt, dass die Tester selbst aus Wunschdenken heraus Dinge fehlinterpretieren. Erst gegen Ende der Untersuchung, wenn alle Einzelergebnisse vorliegen, werden dann die beiden Gruppen miteinander verglichen und geschaut, welche besser abschneidet und ob es überhaupt Unterschiede gibt.

Dieses Verfahren wird randomisierte Doppel-Blindstudie genannt. Randomisiert deshalb, weil die Verteilung und Einteilung völlig zufällig ist, Doppel-Blind, weil weder die Versuchspersonen noch die Tester wissen, wer welches Mittel bekommt.

Auf diese Weise hat man nun auch homöopathische Mittel gestestet. Etliche, schmerzhaft viele Male, immer und immer wieder. Und das Ergebnis?

In keiner Studie, die korrekt durchgeführt und dokumentiert wurde, nicht einer einzigen, hat die Homöopathie reproduzierbar besser abgeschnitten, als die wirkstofflosen Scheinpräparate. Was zu erwarten war, sind doch homöopathische Mittel selbst nichts weiter, als genau das: wirkstofflose Scheinpräparate.

Das Thema Homöopathie könnte seit etlichen Jahren zu den Akten gelegt sein, wenn es nicht immer wieder Menschen gäbe, die genau das nicht wahrhaben wollen. Und so werden immer und immer wieder Geld und Ressourcen für Studien verschwendet in denen völlig unsinnig und überflüssig zwei völlig wirkstofflose Scheinpräparate miteinander verglichen werden.

Einer der Gründe liegt in den Gedanken hinter einer Äußerung, die man von Anhängern der Homöopathie spätestens nach obigen Ausführungen häufiger mal zu hören bekommt: „Mir doch alles egal, bei mir wirkt es jedenfalls!“. Dieser Äußerung ist meist nicht beizukommen, schlicht, weil sich die Person jeglichen Argumenten völlig verschließt.

Verschließt sie sich nicht, wäre die richtige Erwiderung auf diese Äußerung: „Nein tut es nicht. Was da wirkt ist (bestenfalls) der Placebo-Effekt.“

Einer der Gründe, warum eine solche Antwort selten auf Gegenliebe stößt, zumindest bei jenen, die schonmal „irgendwie davon gehört“ haben, ist, dass der Placebo-Effekt häufig als reine Einbildung missverstanden wird. Oder so, als wolle man sagen, die Person habe einen an der Klatsche. Doch das ist falsch. Dieser Effekt ist keine Einbildung. Er ist in seinen Auswirkungen real existent und messbar.

Der Placebo-Effekt beschreibt schlicht die Tatsache, dass auch wirkstofflose Scheinpräparate, sogenannte Placebos, einen nachweisbaren Effekt auf das Befinden eines Patienten haben können. Zumindest, solange dieser (auch unbewusst) an einen solchen Effekt glaubt und ihn erwartet. Und dies auch, wenn der Patient sogar weiss, dass das, was er bekommt nur ein Placebo ist.

Dieser Effekt tritt sogar, und auch das wollen viele Anhänger der Homöopathie nicht wahrhaben oder wissen es nicht einmal, auch bei Tieren auf. Dies wird im nächsten Teil dieser Reihe noch einmal eine klitzekleine Rolle spielen.

Ich betone noch einmal: diese Wirkung beruht nicht auf Einbildung des Patienten. Sie ist tatsächlich existent.

Der Placebo-Effekt ist das, womit sich jedes Medikament oder sonstige untersuchte Mittel in seiner Wirksamkeit messen muss. Deshalb muss es in jeder korrekt und vernünftig durchgeführten Wirksamkeitsstudie eine Kontrollgruppe geben, die mit Placebos behandelt wird. Nur, wenn sich in wiederholten Studien die Wirksamkeit eines Mittels reproduzierbar deutlich von der eines Placebos unterscheidet, kann davon ausgegangen werden, dass es eine Wirkung hat.

Und das ist, auch dabei wiederhole ich mich, der Homöopathie in all den Jahren ihrer Geschichte nicht ein einziges Mal geglückt.

Vor diesem Hintergrund wird das folgende Kuriosum umso grotesker:

Obwohl die Homöopathie in wesentlichen Teilen darauf basiert, dass die Ausgangssubstanz in einer Flüssigkeit gelöst, vielfach verdünnt und dabei rituell geschüttelt wird, sind viele homöopathische Mittel nicht in Form von Tropfen oder ähnlichem im Handel, sondern in Tablettenform, sogenannten Globuli (von Spöttern gerne auch Glaubuli genannt). Dies sind in der Regel kleine Zuckerkügelchen, die mit dem homöopathischen Mittel versetzt wurden.

Nur am Rande sei dabei angemerkt, dass es natürlich keinerlei Erklärung dafür gibt, wie das Verdünnungsmedium die wundersame Heilkraft dabei auf den Zucker audehnen soll, so dass dieser die heilende Wirkung annimmt und behält, wenn das Trägermedium getrocknet, sprich: verdunstet ist.

Und was sind nun die Placebos in Tablettenform, die für Wirksamkeitsstudien (nicht nur bezüglich Homöopathie) verwendet werden? Nun, es sind in der Regel kleine Zuckerkügelchen, die nur niemals mit dem rituell geschüttelten Wasser der Homöopathen in Kontakt gekommen sind.

Sprich: Wer homöopathische Mittel in Tablettenform zu sich nimmt, nimmt genau das zu sich, was in Wirksamkeitsstudien als Kontroll-Placebo verwendet wird. Kleine Zuckerkügelchen ohne jede Wirkung.

Sprich noch deutlicher: Wer Globuli schluckt, könnte genauso gut ein Paar TicTac aus dem dem Supermarkt schlucken. Die sind billiger und sogar wirksamer (immerhin sorgen sie für frischen Atem).

Und zu guter Letzt nochmal ganz deutlich: Weitere Untersuchungen anzustellen in der Hoffnung, eines Tages könne die Wirksamkeit der Homöopathie endlich nachgewiesen werden, ist, wie auf Ergebnisse zu warten, mit denen belegt wird, dass die Erde doch eine Scheibe ist.

Doch auch diese vernichtenden Ergebnisse zur Wirksamkeit der Homöopathie können Homöopathen und ihr Anhänger natürlich nicht erschüttern. Statt dessen haben sie im Laufe der Jahre jede Menge Ausreden dafür produziert, warum die Ergebnisse sind, wie sie sind. Um diese soll es im nächsten Teil gehen, bevor wir uns danach der Frage zuwenden, warum das alles so schlimm sein soll, dass ich mich oft über dieses Thema aufrege.

Bis dahin ein Video von einer Aktion Anfang des Jahres in Großbritannien, bei der demonstriert wird, was bei einer massiven Überdosierung homöopathischer Mittel passiert, die Homöopathen für sehr gefährlich halten (oder zumindest so darstellen):

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