Homöopathie I – Wie Homöopathie wirken soll

Posted on 11. Juli 2010

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In diesem ersten Teil der Reihe möchte ich zunächst einmal darlegen, was Homöopathie genau ist und wie sie nach Meinung der Homöopathen basierend auf den Lehren Hahnemanns funktionieren soll.

Im wesentlichen besteht das homöopathische Gedankengebäude aus drei Säulen, mit denen das ganze Gebilde steht und fällt. Dieser simple Aufbau mag, wie bei anderen esoterischen Heilslehren maßgeblich mit zum „Erfolg“ (lediglich an der Zahl der Anhänger gemessen) der Homöopathie beitragen.

Diese drei Säulen wären

  1. das Simile-Prinzip (Ähnlichkeitsprinzip)
  2. die sogenannte Potenzierung
  3. das Wassergedächtnis

Nehmen wir uns diese drei Säulen einmal nacheinander vor.

Das Simile-Prinzip

Eines ist sicher: kein esoterisches Heilkonzept, ohne dass jemand früher oder später Paracelsus ins Spiel bringt. In diesem Fall früher, denn auf ihn soll nach Meinung einiger Homöopathen das Simile-Prinzip zurückgehen.

Die namengebende Idee dahinter ist recht simpel: Wenn ein Mittel bei einem gesunden Menschen irgendwelche Symptome verursacht, ist dieses Mittel dazu geeignet genau diese Symptome bei einem kranken Menschen zu behandeln. Sparen wir es uns vorerst einmal auf, über diese Idee und ihre Sinnhaftigkeit ein Urteil abzugeben. Nehmen wir das ganze mal als Hypothese. Was macht man mit einer Hypothese (bzw. sollte man machen)? Man könnte sie zum Beispiel überprüfen.

Dolle Idee. Das hat sich auch Hahnemann, der Begründer der Homöopathie gedacht. Aber wie will man so eine Überprüfung anstellen? Auch da hatte Herr Hahnemann recht schnell eine Idee. Nämlich das heute noch von Homöopathen gerne angeführte Chinarinden-Experiment.

Chinarinde (genauer: das in ihr enthaltene Chinin) ist ein recht brauchbares Mittel gegen Malaria und das damit einhergehende Fieber. Demnach müsste es ja, wenn das Simile-Prinzip korrekt ist, bei einem gesunden Menschen Fieber auslösen. Das sollte sich doch einfach überprüfen lassen. Gedacht, getan, schmiss sich Herr Hahnemann also im Selbstversuch etwas Chinarinde ein, wartete gespannt, ob sich ein Fieber bei ihm zeigen sollte, und, Heureka, es passierte tatsächlich. Das Simile-Prinzip war bewiesen.

Dachte zumindest Herr Hahnemann und denken bis heute auch seine Anhänger. Doch falsch gedacht. Was war passiert?

Blöderweise fehlte Herrn Hahnemann bei seinem Versuch ein fundamental wichtiges Werkzeug: ein Fieberthermometer. Thermometer gab es zwar bereits, aber leider erst sehr wenige, die dafür aber umso teurer. Daher war Herr Hahnemanngezwungen auf anderem Wege festzustellen, ob er Fieber hat. Eine Begleiterscheinung von Fieber ist ein erhöhter Puls. Genau den hat er dann bei sich gemessen und daraus geschlossen, dass er wohl Fieber haben und dieses wohl durch die Chinarinde ausgelöst sein müsse.

Nun hätte er sich dabei, tat es aber leider nicht, einen anderen Paracelsus zugeschriebenen Ausspruch ins Gedächtnis rufen müssen. Nämlich das vielzitierte sinngemäße „Auf die Dosis kommt es an.“ bzw. „Die Dosis macht das Gift.“. Denn so wertvoll Chinarinde als Malaria-/Fiebermedikament auch war, ist das recht giftiges Zeug, das bei einem gesunden Menschen allerlei (auch allergische) Reaktionen hervorrufen kann und so manches davon lässt den Puls in die Höhe schnellen. Und selbst, wenn das nicht der Fall wäre, kann allein schon die die aufgeregte Erwartung genau dessen den Puls nach oben treiben.

Von einem Beweis also keine Spur und so kann es auch nicht überraschen, dass bis heute niemand Herrn Hahnemanns Versuchsergebnis reproduzieren konnte. Auch in keiner anderen Form konnte das Simile-Prinzip jemals nachgeweisen werden. Es gibt nicht einmal den kleinsten Anhaltspunkt, dass es etwas anderes sein könnte, als das, wonach es im ersten Moment klingt: purer Blödsinn.

Ja dieses Urteil erlaube ich mir. Man stelle sich einmal vor, wie das denn aussähe: Vergiftungen heilt man mit was? Noch mehr von dem auslösenden Gift? Mit was behandelt man Schlaflosigkeit? Mit Koffein?

Ja, da mag man jetzt vielleicht lachen, aber Homöopathen tun genau das. Oder besser: sie bilden sich ein, das zu tun. Da es aber natürlich nicht so ohne weiteres funktioniert z. B. eben Schlaflosigkeit mit Koffein zu behandeln, bedarf es eines Kunstgriffes: der Potenzierung.

Die Potenzierung

Potenzierung… klingt toll. Man nimmt etwas und potenziert, vermehrt also, seine Leistungsfähigkeit. Blöderweise gebrauchen Homöopathen diesen Begriff jedoch genau gegenteilig der alltäglichen Verwendung und ebenso gegenteilig jeglicher Vernunft.

Potenzierung ist das, was dazu führen soll, dass die homöopathischen Mittel so wirken, wie sie sollen. Nur durch die Potenzierung können sie ihre ganze Kraft gemäß dem Simile-Prinzip entfalten. Allerdings meinen Homöopathen, wenn sie das Wort „Potenzierung“ benutzen tatsächlich „Verdünnung“.

Damit der Kram also wirkt, muss er verdünnt werden, und zwar umso stärker verdünnt, je stärker er wirken soll.

Ja das muss man zweimal sagen (bzw. schreiben) damit niemand meint, er müsse da etwas falsch verstehen und es könne nicht so gemeint sein. Doch, genau so ist es gemeint: das homöopathische Mittel soll umso stärker wirken, je stärker es verdünnt wurde. Vorzugsweise in Wasser.

Aber auch Verdünnung hat in der homöopathischen Welt nur sehr begrenzt etwas mit dem zu tun, was man gemeinhin darunter versteht. Wenn wir unseren Kaffee verdünnen, geben wir nen Schuß Wasser hinein. Wenn man das Konzentrat von etwas verdünnt, dann nimmt man z. B. 10ml einer Substanz und gibt sie in 100ml Wasser. Oder vielleicht auch in einen ganzen Liter, o.ä. Je nachdem, um was es sich handelt.

Nicht so Homöopathen.

Oben genannte Verdünnungen… pardon… Potenzierungen, hießen im homöopathischen Fachjargon D1 (10ml in 100ml) und D2 bzw. C1 (10 ml in 1000ml). Kleinkram. Mit so etwas geben sich Homöopathen doch nicht ab. Die mögen höhere Zahlen. Je höher, desto besser. Denn wie gesagt: je stärker verdünnt, desto besser wirkt das ganze (zumindest im homöopathischen Weltbild).

Deshalb hantieren Homöopathen gerne mit Werten von D30 und aufwärts. D30… das wären 10ml in 10^30ml, also in 1.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000ml. Ziemlich hohe Zahl. Und ziemlich viel Wasser. Nämlich eine Million Trilliarden Liter.

Um eine solche Verdünnung erreichen zu können, wird wie folgt vorgegangen. Man nimmt also 10ml des Wirkstoffes, gibt diese in 100ml Wasser und schüttelt dieses rituell (auf das Schütteln kommen wir später nochmal zurück). Von dem Ergebnis nimmt man dann wieder 10ml, gibt sie in 100ml neues Wasser und schüttelt wieder. Und das wiederholt man dann. Und nochmal… und nochmal… insgesamt 30 mal. Tadaaaa: fertig ist die D30 Potenzierung.

Dabei stößt man natürlich recht schnell an verschiedene Grenzen. Eine wichtige tut sich beim 24. Verdünnen und Schütteln auf. In diesem Moment sinkt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur ein einziges Molekül der Ausgangssubstanz in der neuen Lösung enthalten ist unter 50% (genauer: in einem Mol des Endproduktes befinden sich durchschnittlich 0,6 Moleküle). Was natürlich die Homöopathen nicht daran hindert, munter weiter zu mixen und zu schütteln. Wenn es nach ihrer Meinung sein muss auch bis D100 oder gar D 1000.

Am Ende hat man dann… Wasser. Nichts weiter als Wasser. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist kein einziges Molekül des Wirkstoffes mehr vorhanden. Das homöopathische Mittel enthält gar kein Mittel. Es ist schlicht und ergreifend nichts vorhanden, was in irgendeiner Weise wirken könnte. Dennoch, so meinen die Homöopathen, soll das ganze sogar noch viel besser wirken, als die Ausgangssubstanz. Wie kann das sein?

Na, wegen der dritten Säule.

Das Wassergedächtnis

Wasser ist ein ganz besonderer Stoff. Natürlich auch ein sehr wichtiger Stoff für jegliche Form von Leben, die uns bekannt ist. Es hat auch einige ungewöhnliche physikalische Eigenschaften und ginge es nach den Homöopathen hätte es auch noch eine sehr besondere Eigenschaft mehr: ein Gedächtnis.

Das ist gar nicht mal so ungewöhnlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Tatsächlich ist die Homöopathie nicht die einzige esoterische Idee, die eine solche oder ähnliche Eigenschaft des Wassers beinhaltet. Man denke z. B. an das Granderwasser. Auf der anderen Seite wird im Rahmen echter Wissenschaft schon seit längerem an Werkstoffen mit „Gedächtnis“ geforscht. Diese kann man beliebig deformieren und sie „erinnern“ sich dennoch an ihre ursprüngliche Form und können sie unter bestimmten Umständen wieder einnehmen. Da erscheint es dem ein oder anderen vielleicht nicht gänzlich abwegig, dass ein in mehrfacher Hinsicht besonderer Stoff wie Wasser möglicherweise auch über eine vergleichbare Eigenschaft verfügen könnte.

Dennoch ist diese Vorstellung Unsinn. Weder gibt es einen Grund, das ganze anzunehmen, noch irgendwelche Ansätze, wie ein solches Wassergedächtnis funktionieren sollte, noch ist, im Gegensatz zu dem was Homöopathen gerne behaupten, jemals eine solche Eigenschaft des Wassers nachgewiesen worden. Eine einzige Studie gibt es meines Wissens, die ein Wassergedächtnis in irgendeiner Form zu belegen scheint. Doch ist sie fehlerhaft und die Ergebnisse konnten beim besten Willen nie reproduziert werden.

Das kann jedoch Homöopathen nicht erschüttern. Sie bleiben dabei, dass Wasser ein Gedächtnis hat, das eine wichtige Grundlage homöopathischer Substanzen ist. Denn nur dadurch könnte ein Mittel, das wie bei der Homöopathie üblich keinerlei Wirkstoff enthält, einen Effekt haben.

Darin liegt auch der Grund für das rituelle Schütteln der jeweils aktuellen Verdünnung. Denn dabei soll sich die heilende Wirkung des Ausgangsstoffes in das Wassergedächtnis ein einprägen. Das erklärt dann zwar auch immer noch nicht, warum sich die Wirkung mit jedem potenzieren verstärken soll, aber was kümmern einen Homöopathen schon derartige Details?

Ebenso wenig gibt es eine Erklärung dafür (und ebenso wenig kümmert es die Homöopathen) dass sich das Wasser zwar die jeweils gewünschte Wirkung des Ausgangsstoffes merken soll, aber nicht potentielle Informationen und Wirkungen der Gläser oder sonstigen Behälter, in denen das ganze stattfindet. Diese Frage stellen sich manche auch bezüglich aller anderen Dinge, mit denen das Wasser im Laufe seiner Existenz in Berührung gekommen ist (z. B. Dinosaurier-Kot, Wal-Sperma, verrottende Kadaver…) aber die Antwort der Homöopathen darauf wäre, dass da ja nicht rituell geschüttelt wurde.

Fazit

Das sind sie also, die drei Säulen der Homöopathie. Jede von ihnen ist Blödsinn und alle drei zusammen sind es noch viel mehr. Homöopathie ist, war und bleibt immer esoterischer Unfug.

In den nächsten Teilen werde ich mich mit den Fragen beschäftigen, die sich daraus ergeben, denn da bleibt nach Obigem noch einiges offen. Zum Beispiel die Frage, ob Homöopathie denn nun trotzdem wirkt oder nicht. Von Anhängern der Homöopathie bekommt man nach Ausführungen, wie ich sie hier gemacht habe oft zu hören „Aber sie wirkt trotzdem und wer heilt hat recht!“. Daher werden wir uns unter anderem damit noch zwingend auseinandersetzen müssen.

Doch als nächstes gibt es im nächsten Teil erstmal einen kleinen und kurzen Einblick, wie homöopathische Mittel „entwickelt“ werden.

Bis dahin wünsche ich Spaß mit dem folgendem Video, in dem der bekannte Skeptiker James Randi wesentliche Teile des oben genannten auf seine ganz eigene amüsante Weise erklärt:

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