Auf zum Kampf gegen die Zwangsbeschallung

Posted on 7. Juli 2010

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Einen Großteil gerade aktueller Musik mag ich nicht. Aber gut, das ist eine Frage des persönlichen Geschmackes. Dennoch wird man mit dieser Musik in einem Ausmaß beschallt, das mir mehr als nur unangenehm ist.

Das fängt schon an Bushaltestellen und in öffentlichen Verkehrsmitteln an. Mir kann es ja egal sein, wenn sich die Leute mit ihrem neuesten iPod oder iWasauchimmer das Gehör kaputt machen. Aber warum zwingen die mich, mit zu hören?

Besonders schlimm ist es dann, wenn man Abends mit Freunden und bekannten unterwegs ist. Überall, in jeder Kneipe, jeder Bar, jeder Disko, jedem Club: Musik.

Musik, die mir nicht gefällt, Musik, die mir unangenehm ist. Gerne auch mit Bässen wie ein Hammer auf den Kopf oder wie ein Schlag in die Magengrube. Grausam.

Jetzt kann man sagen ich solle mich nicht so anstellen. Anderen würde es ja auch nichts ausmachen. Aber immer mehr medizinische Studien sind auf meiner Seite, die belegen, dass man durch immer stärker zunehmende überlaute Zwangsbeschallung, wie sie in vielen Kneipen und Diskotheken Alltag ist, massive und irreparable Gehörschäden davontragen kann.

Warum ich dann überhaupt noch dahin gehe, wenn mir das nicht passt? Was bleibt mir denn anderes übrig? Da gehen doch alle hin. So stehe ich also vor der Wahl, die schädigende Zwangsbeschallung zu erdulden oder mein soziales Leben komplett einstellen zu müssen. Das kanns ja wohl nicht sein, oder?

Deshalb fordere ich ein komplettes Beschallungsverbot in Kneipen und Diskotheken. Es ist auch nicht zu dulden, dass die jeweiligen Betreiber meinen, selbst entscheiden zu können, ob sie Musik spielen und in welcher Lautstärke sie das tun oder ob sie beschallungsfreie Ruhezonen einrichten. Denn das funktioniert nicht. Zum einen, weil ja doch immer die sonstige Klangkulisse auch die vermeintlichen Ruhezonen erreicht. Zum anderen, weil diese Entscheidungsfreiheit der Betreiber eh nur scheinbar existiert und jedem, der die Beschallung einstellt, Umsatzeinbußen drohen, weil dann doch zu viele lieber dahin gehen, wo man sich weiterhin das Gehör unwiederbringlich ruinieren kann. Wo wäre da noch die Motivation zur Musikfreiheit oder zur Einrichtung von Ruhezonen?

Hier ist der Gesetzgeber in die Pflicht zu nehmen, da die Betreiber sich ihrer Verantwortung nicht bewusst sind oder gezwungen sind, diese Verantwortung nicht wahrzunehmen. Das gemeine Volk hingegen muss wahlweise vor sich selbst und dem unverantwortlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit, oder vor anderen beschützt werden, die sich unter dem Vorwand und dem Etikett einer allzu exzessiv ausgelebten persönlichen Freiheit mitschuldig machen am Niedergang der Volksgesundheit im allgemeinen und nicht zuletzt auch meiner Gesundheit (und der meiner Leidensgenossen) im speziellen.

Daher: Beschallungsverbot! Jetzt!


Meine ich das ernst? Nein natürlich nicht. Es ist völliger Quatsch.

Aber sehr viele andere offenbar.

Denn obiges ist prinzipiell genau die Argumentationskette, die hinter dem bayerischen Volksentscheid zum Rauchverbot steckt und auf die sich die Befürworter berufen. Probiert es aus. Einfach Musik und Zwangsbeschallung durch Rauchen und Passivrauchen ersetzen. Dann erhält man genau die Argumente, die von den Befürwortern des abgestimmten Rauchverbotes in der Regel angebracht werden.

Dass da irgendwas schief liegt, sollte erkennbar sein und ehrlich gesagt kann ich die Argumentation auch nicht wirklich nachvollziehen.

Wenn ich mich dem Rauch nicht aussetzen will, meide ich halt Örtlichkeiten, wo geraucht wird. Fertig. Klappt in anderen durchaus vergleichbaren Zusammenhängen auch wunderbar.

Ob ein Wirt seine Kneipe komplett rauchfrei oder im Rahmen seiner Möglichkeiten eventuell mit Nichtraucherbereichen ausstattet, ist allein seine Sache. Fertig. Nichtraucher-Kneipen könnten neben Kneipen, in denen geraucht werden darf, nicht wirtschaftlich bestehen? Dann sind Nichtraucher-Kneipen offenbar kein funktionierendes Geschäftsmodell, genauso, wie es wahrscheinlich auch alkoholfreie Kneipen oder musikfreie Diskotheken wären. Das ist dann schade, aber halt nicht zu ändern. Da gibt es für den Staat genauso wenig Grund und Anlass einzugreifen, wie bei den anderen Beispielen.

Es gibt wunderbare Argumente gegen das Rauchen und wunderbare Argumente für Nichtraucherschutz. Die Argumentation hinter der Initiative aus dem Volksentscheid gehört jedoch ebenso wie das Ergebnis nicht dazu.

Bitte: bewegt Euch doch beim Streit darum in dem Rahmen, den gesunder Menschenverstand und das, was als allgemein anerkannte Realität bezeichnet werden kann, vorgeben.

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Posted in: Allgemeines, Politik