Warum ich Leena nicht gewählt habe, es aber möglicherweise mal passieren könnte

Posted on 21. Mai 2010

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Nach fast einer Woche schaffe ich es dann auch endlich mal, etwas zu Leenas Auftritt auf dem Bundesparteitag in Bingen zu schreiben.

Leena Simon hatte sich auf dem Bundesparteitag spontan dazu entschlossen, als zweite Vorsitzende zu kandidieren, wurde in der wahrscheinlich längsten Fragerunde des Tages in die Mangel genommen, hat sich ganz ordentlich geschlagen und letzten Endes dann auch auf ein Ergebnis von 28% (227 Stimmen) geschafft. Und ganz ehrlich: ich versteh es nicht. Da baut jemand Mist, schafft es dann, bei überkritischen und teilweise auch überflüssigen und total nervenden Fragen dazu nicht zusammenzubrechen und bekommt dann Sympathiestimmen nur aus Respekt für ihren Auftritt (und mir erzähle jetzt niemand, das seien nicht überwiegend solche)?

Jetzt mag es vielleicht Außenstehende geben, die gar nicht mitbekommen haben, was das für ein Mist gewesen sein soll, den Leena vor einiger Zeit verzapft hatte und warum sie auf dem BPT so sehr in die Mangel genommen wurde. Aaaaalso:

Leena ist weiblicher Pirat im Landesverband Berlin und machte sich offenbar irgendwann Sorgen um die wenigen Frauen in unserer Partei. Irgendwie sind diese in Leenas Geisteswelt wohl total hilflos und schutzbedürftig. Aus diesem Grundgedanken heraus kam sie vor einiger Zeit unter anderem auf die fixen Ideen, die „Piratinnen“ zu gründen, eine geschlossene Mailingliste einzurichten, auf der nur Frauen lesen und schreiben dürfen, und unter dem Titel „Piratinnen – Klarmachen zum Gendern“ eine eigene Pressemitteilung dazu herauszugeben. Als pressewirksame Kulisse wurde dazu dann ausgerechnet ein Berliner Landesparteitag gewählt. So weit, so schlecht.

Derartige Ideen kamen zumindest in dieser Form bei vielen Piraten aus den verschiedensten Gründen nicht gut an. Im Gegensatz zu dem, was mancher wahrscheinlich erwarten würde, auch vor allem nicht bei weiblichen Piraten aus deren Reihen man einige der lautesten Protest-Stimmen hören konnte.

Dabei wäre die Idee im Ansatz gar nicht einmal hundertprozentig falsch gewesen, ließ aber einerseits viel zu viele Faktoren unberücksichtigt und war andererseits offenbar bestenfalls extrem mangelhaft kommuniziert worden, was auf einen medienwirksam inszenierten Alleingang hinauslief, bei dem sich Leena und eine kleine Anhängerschar recht wenig kritikfähig zeigten. Da das ganze jedoch ein gefundenes Fressen für all jene war, die ihr abstruses und völlig falsches Bild von den bösen frauenfeindlichen Piraten gerne bestätigt sehen wollten und schon mehrfach versucht haben uns eine innerhalb der Piraten völlig sinnlose Debatte aufzuzwingen, wurde Leena nicht ganz zu unrecht parteischädigendes Verhalten vorgeworfen und sie entsprechend ermahnt. Irgendwann kehrte dann auch wieder Ruhe diesbezüglich ein. Bis zum Samstag.

Da stand sie nun also und bewarb sich um den Posten als zweite Vorsitzende. Ganz blöde Idee.

Viele, sehr viele, nutzten die Fragerunde, um ihrem Ärger und Unmut über Leenas Unsinn Luft zu machen. Leena wurde „gegrillt“. Dabei schlug sie sich wirklich gut. Sehr gut sogar. Aber das rechtfertigt nicht die hohe Zahl an Stimmen, die sie ergattern konnte.

Einziger zumindest ihrerseits behaupteter Grund für ihr Antreten war die Tatsache, dass sich sonst keine Frau um einen Vorstandsposten bewarb. Ihre Aktivitäten in der Partei liegen seit ihrer Ermahnung nach eigener Aussage auf Eis. Und was es denn überhaupt an ihrem Verhalten auszusetzen gab, scheint sie bis heute nicht verstanden zu haben. Wo sind da gute Gründe, sie zu wählen? Es gibt keine. Da ist schlicht keine Basis für einen Vorstandsposten vorhanden. „Hallo, ich bin inaktiv aber eine Frau.“ reicht nicht, um gewählt zu werden. Weder anderswo, noch bei den Piraten.

Dabei ließ sich durchaus erahnen, dass sie es besser könnte. Sie hat durchaus Kompetenzen in piratigen Kernbereichen und vertritt jenseits des Gender-Krams durchaus gute Positionen in wichtigen Themen. Wenn sie denn nur auch dran arbeiten und das ganze entsprechend kommunizieren würde. Sie hat insgesamt viele Qualitäten, die sie für einen Vorstandsposten auszeichnen würden. Sie nutzt sie nur nicht. Statt dessen verrennt sie sich sinnlos in Albernheiten und gibt sich kontraproduktiv.

Wenn sie das in den Griff bekommt und tatsächlich auch wieder konstruktiv und aktiv arbeitet, dann kann man es durchaus vertreten sie zu wählen. Und zwar unabhängig davon, dass sie eine Frau ist. Schlicht und ergreifend, weil sie dann (und nur dann) ein echter Pirat ist. Oder von mir aus auch eine echte Piratin.

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Posted in: Piraten