Warum der Klimawandel Fakt, aber eigentlich egal ist

Posted on 15. April 2010

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Vor einiger Zeit hatte ich an unserem Infostand in der Hagener Fußgängerzone das erste Mal mit einem sogenannten Klimaskeptiker zu tun. Zumindest war er der erste, der sich in dieser Richtung äußerte. Er war ein netter und neugieriger Mensch, der Fragen zu verschiedenen Themen hatte, darunter eben auch zum Klimawandel und seinen Zweifeln daran.

Klimaskeptiker gibt es in mindestens zwei Varianten. Die einen bezweifeln grundsätzlich, dass es überhaupt einen Klimawandel gibt, die anderen bezweifeln „nur“, dass er anthropogen, also durch den Menschen verursacht ist. Zu welcher Kategorie mein Standbesucher nun genau gehörte, weiss ich gar nicht.

Nun ist es aber nunmal so, dass ein Klimawandel eigentlich unbestreitbar ist und die Mehrheit der Klimaforscher menschliche Einflüsse dabei für ausschlaggebend hält. Und „Mehrheit“ meint hier nicht eine knappe Mehrheit von 55%, 60% oder 70%. Tatsächlich sind es wohl 97% Prozent. Das legt zumindest eine Umfrage unter Klimaforschern aus dem Jahr 2008 nahe. (Quelle: http://starke-meinungen.de/blog/2010/04/13/1222/)

Klar, da bleiben noch 3% Zweifler. Selbst das könnte man noch für viel halten. Aber eine Menge Zweifler in dieser Größenordnung dürfte es in jeder wissenschaftlichen Disziplin zu praktisch jedem beliebigen Thema geben. Ich würde glatt wetten, wenn man schauen würde, wie viele Physiker an der Relativitätstheorie oder wie viele Biologen an der Evolution zweifeln, dürfte man ungefähr bei den gleichen Verhältnissen landen.

Leider kann man nun nicht davon ausgehen, dass jeweils die kleine Hand voll Zweifler alles einsame Genies sind, die als einzige die wahren Zusammenhänge durchschauen.

Die große Gemeinschaft der Klimaforscher arbeitet dabei auch eigentlich recht ausgewogen. Es ist eben nicht so, dass alle sonst in Frage kommenden Einflüsse auf das Klima ignoriert würden. Gerade auch die Ansätze, an denen einige Zweifler noch festhalten wurden genau unter die Lupe genommen. Mit dem Resultat, dass kein Faktor oder Faktorenkomplex den beobachteten Wandel hinreichend erklären konnte. Der Faktor Mensch blieb immer als letzte Erklärung übrig.

Damit ist natürlich das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Es bleibt immer noch die Möglichkeit, dass alle Klimaforscher (und zwar wirklich alle; einschließlich der Skeptiker und Zweifler) bisher unbekannte oder nicht berücksichtigte Faktoren oder Wirkmechanismen übersehen. Betrachtet man die Komplexität des Forschungsgegenstandes und unseren aktuellen Wissensstand, ist das gar nicht einmal allzu unwahrscheinlich. Davon darf man aber nicht einfach ausgehen und es gibt bisher weder Grund noch Anlass, das zu vermuten.

Das ist jetzt nur mein laienhaftes Verständnis der Sachlage und sicher auch an der ein oder anderen Stelle vereinfachend. Aber zumindest ungefähr dürfte ich damit richtig liegen, auch wenn sicher der ein oder andere gern daran rütteln mag.

Aber mal ganz ehrlich: spielt das überhaupt eine Rolle?

Die Handlungsmöglichkeiten gegen einen solchen Klimawandel sind sehr begrenzt und um die Erfolgsaussichten ist es nicht viel besser bestellt. Und dazu müsste man sich erstmal global einigen, was man wo wie tun will und das es überhaupt nötig ist, das zu tun. Bisher war keine Klimakonferenz o.ä. dazu in der Lage. Der Zug scheint abgefahren.

Also die Hände in den Schoß legen und abwarten?

Natürlich nicht. Aber vielleicht, nur vielleicht, würde man sich sogar wesentlich schneller einigen, wenn man erkennt, dass man den drohenden und bereits stattfindenden aber von einigen bezweifelten Klimawandel gar nicht als Begründung braucht.

Es ist wie in einer Karikatur, die vor einiger Zeit durch das Netz geisterte, in der bei einer Klimakonferenz ein Skeptiker aufsteht und fragt „Was ist, wenn das alles ein einziger Schwindel ist und wir wegen nichts eine bessere Welt schaffen?“. Denn genau darum geht es: eine bessere oder zumindest sauberere Welt zu schaffen. Ich wüsste gerade keine, nicht eine einzige wirklich sinnvolle Maßnahme gegen den Klimawandel, die nicht auch aus anderen Gründen sinnvoll und dringend notwendig wäre.

Um billige, saubere und nachhaltige Energiegewinnung und Produktionsbedingungen kommt man schlicht nicht herum, ganz egal, ob es einen Klimawandel gibt. Die Bedingungen dafür müssen eher gestern als heute geschaffen werden. Da ändert weder die Faktenlage um den Klimawandel etwas dran, noch das Zweifeln an dieser.

Der Ansicht war dann übrigens auch mein Klimaskeptiker vom Infostand. Handlungsbedarf besteht durchaus. Dringend.

Weitere Informationen zum Themenbereich Klimawandel und Klimaskeptiker:

http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erwärmung

http://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverse_um_die_globale_Erwärmung

http://esowatch.com/ge/index.php?title=Klimalüge

Der Vollständigkeit wegen:

Das Themenfeld Umwelt aus unserem Programm zur Landtagswahl

http://www.piratenpartei-nrw.de/portal/wahlprogramm-landtagswahl-nrw/umwelt.htm

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