Warum die Tierschutzpartei keine Alternative ist

Posted on 14. April 2010

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Immer wieder erzählen mir Leute, wie toll sie die Tierschutzpartei finden oder in einigen Fällen sogar, dass sie diese gewählt hätten. Das ist nicht nur umso irritierender, da es eine sehr kleine Partei ist (knapp 800 Mitglieder) sondern vielmehr deshalb, weil offenbar niemand das Programm dieser Partei tatsächlich kennt.

So bekomme ich als Antwort auf meine Frage, warum man die denn toll finde oder gar gewählt habe immer, dass Tierschutz doch eine unterstützenswerte Sache sei und sich dafür diese Partei doch einsetzen würde. Das ist durchaus richtig, Tier- und Umweltschutz sind klasse. Aber zum einen ist recht fraglich, ob das doch recht eigene Vertständnis solchen Schutzes dieser Partei jedes Wählers Sache ist, und zum anderen haben all diese Menschen einen recht geringen Überblick, was sie durch ihre Stimme sonst noch so alles unterstützen.

Betrachten wir nur einmal die Konsequenzen des namengebenden Tierschutzes, wie er von dieser Partei gefordert wird.

Von der Ausbeutung von Tieren und Natur ist da im Grundsatzprogramm die Rede, von Misswirtschaft und verfehlter Agrarpolitik, von Misshandlungen und Tierquäelerei. Tierrechte werden eingefordert, unter anderem auch durch einen eigenen Artikel im Grundgesetz:

„Tiere werden als unsere Mitgeschöpfe um ihrer selbst willen geachtet, geschützt und vor Leiden bewahrt. Entsprechend ihrem Schmerzempfinden und ihren Gefühlen sind ihnen arteigene Rechte einzuräumen.“

Kann man toll finden, muss man aber nicht. Aber ist in Ordnung, kann man alles akzeptieren. Nicht jedoch, die Konsequenzen, die daraus gezogen werden: ein vegan lebendes Deutschland.

Man verstehe mich nicht falsch: ich respektiere durchaus individuelle Entscheidungen zu veganem Leben. Ich habe derartiges auch für mich selbst schon mehrfach in Betracht gezogen. Aber das wäre dann meine Entscheidung und das soll sie bitteschön auch bleiben. Und selbst, wenn ich vollständig vegan leben würde: Es kann und darf nicht sein, eine solche Lebensweise durch entsprechende Gesetzgebung quasi zu erzwingen.

Doch damit nicht genug sind auch schnell die Hauptfeinde umfassenden Tier- und Naturschutzes ausgemacht: Gentechnik, Tierversuche und Medizin.

Vor allem mit dem geforderten Totalverbot der ach so bösen Gentechnik dürften hier bei einigen wieder ein Paar Sympathie-Punkte gut zu machen sein. Dass aber Gentechnik so böse gar nicht ist und von nicht geringem Wert vor allem auch für die medizinische Forschung ist, wird dabei ausser Acht gelassen.

Aber mit der Medizin scheint man eh auf Kriegsfuß zu stehen und das nicht nur wegen anzuprangernder Tierversuche. So heisst es unter anderem:

Tierversuche und die darauf basierende Medizin sind ein Irrweg, der schnellstmöglich verlassen werden muss.

Dieser Satz enthält zwei Teile, die gesondert betrachtet werden müssen.

Da sind zunächst die Tierversuche selbst. So sehr ich mir auch selbst wünsche, man könnte Tierversuche vollständig durch alternative Methoden ersetzen: aktuell geht das einfach noch nicht und es kann durchaus sein, dass es niemals in allen Bereichen vollständig möglich sein wird, komplett darauf zu verzichten. Klingt scheiße, ist aber leider so.

Zum anderen ist da die komplette Ablehnung der tierversuchsbasierten Medizin, was mehr oder weniger die ganze Medizin betrifft. Ablehnung der gesamten Medizin? Das muss ein Missverständnis sein, eine unglückliche Formulierung. Wäre schön, ist aber leider nicht so, wie ein Blick in andere Stellen des Programmes zeigt.

Jeder Mensch hat das Recht auf Erhaltung und Wiederherstellung seiner Gesundheit. Die freie Entscheidung der Patienten zwischen Schulmedizin und Naturheilverfahren ist zu gewährleisten.

Die einseitig naturwissenschaftlich ausgerichteten Grundlagen der gegenwärtigen Medizin müssen durch ein ganzheitliches Konzept ergänzt werden, das den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele betrachtet (Spezialistentum nur in Verbindung mit Ganzheitsmedizin).

BÄMM… da wimmelt es ja nur so vor esoterischen Schlagwörtern. Versuchen wir die mal zu ignorieren: „freie Entscheidung der Patienten“ klingt schonmal gut. Sowas ist wichtig. „Naturheilverfahren“ klingt auch nicht schlecht. Natur ist was tolles und sie hat uns eine Menge gutes beschert. Zum Beispiel Aspirin, das tatsächlich eigentlich ein aus Weidenrinde gewonnenes Naturprodukt ist. Aber warum steht die Naturheilkunde als völlig gegensätzlich zur sogenannten „Schulmedizin“?

Schlicht und ergreifend, weil Naturheilkunde gar nicht gemeint ist. Das zeigt der nachfolgende Absatz auch ganz ausdrücklich, wo unter anderem zu lesen ist

Alternative Behandlungsmethoden, z.B. Homöopathie, Phytotherapie, Akupunktur, unterstützen eine ursächliche Heilung und dienen nicht einer bloßen Symptombekämpfung.

Und spätestens da wird es komplett esoterischer Unfug, den man einfach nicht mehr ignorieren kann und darf. Homöopathie, Akupunktur und ähnlicher Kram sind reine Plazebos ohne medizinischen Wert. Und vor allem haben sie auch nichts mit Naturheilkunde zu tun.

Nun ist es allerdings auch heute schon so, dass sich Patienten frei dafür entscheiden können, esoterische Wundermittelchen aller Art ohne jeden Wert (dafür aber teilweise mit nicht geringer Gefährlichkeit) einzuwerfen, was sie teilweise sogar auch irrsinnigerweise von Kassen erstattet bekommen. Was gibt es da also zu fordern und zu fördern?

Die privaten wie gesetzlichen Krankenkassen müssen in ausreichendem Umfang dem Wunsch von immer mehr Menschen nach einer alternativen Medizin Rechnung tragen.

Nun, genau das müssen Krankenkassen nicht. Sie müssen bezahlen, was erwiesenermaßen wirkt. Und um es mit Tim Minchins Worten auszudrücken: Alternative Medizin ist nicht erwiesen wirksam oder erwiesermaßen nicht wirksam. Alternative Medizin, die erwiesen wirksam ist, nennt man… Medizin.

Damit zeigt sich, was die Tierschutzpartei tatsächlich ist: ein Häuflein vom Bambi-Syndrom verblendeter Esoteriker. Nicht zuletzt deshalb haben sie wohl auch Zulauf aus der Sekte Universelles Leben, die hier Einflussnahme versucht, was selbst der Mehrheit der Partei-Mitglieder zuviel ist, weshalb sie sich vehement gegen diese Einflüsse zur Wehr setzen und sich distanzieren.

Mit solch pseudochristlicher Offenbarung haben sie eh nicht viel am Hut. Sie sehen sich vielmehr, wie Greenpeace vor ihnen, als Erfüller der angeblich indianischen Prophezeiung vom Stamm der Regenbogenkrieger die kommen sollen um die Erde wieder zu begrünen.

Bitte, wenn sie meinen. Aber doch nicht in Parlamenten…

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Posted in: Politik