Mehr Bildung in Blogs – Mein Beitrag zur Blogaktion

Posted on 4. Januar 2010

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Nachdem ich mich gestern ja aufgerafft habe, über die Aktion „Mehr Bildung in Blogs“ zu berichten, konnte ich es mir natürlich nicht verkneifen, da auch einen eigenen (natürlich völlig laienhaften und inkompetenten :D) Beitrag für zu verfassen. Ich hab dabei insofern auch eigene Kreativität vermieden, dass ich mich auch ganz streng an den zur Anregung formulierten Fragen orientierte.

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Jede Menge Spaß. Aber im Rückblick sieht ja alles immer viel rosiger aus, als es war.

Zwei Dinge haben mir immer sehr viel Spaß gemacht: Zu lesen und neues zu lernen. Eigentlich die idealen Vorraussetzungen, ein vorbildlicher Schüler zu sein und die Anfänge meiner Schulzeit ließen meine Eltern wahrscheinlich auch entsprechendes hoffen. Tatsächlich war ich jedoch alles andere als das.

Nach dem Wechsel aufs Gymnasium konnte ich mich noch eine Weile über Wasser halten, bevor es steil bergab ging. Die gesamte Mittelstufe hab ich praktisch nur mit jeder Menge Glück und Wohlwollen durchgestanden. Richtig aufwärts ging es erst wieder in der Oberstufe, als ich „meine“ Fächer gefunden hatte. Irgendwo hatte es bei der Motivation gehakt.

Mir sind, grob vereinfacht, in meiner Schulzeit drei Arten von Lehrern begegnet.

Zum einen solche der „alten Schule“, in der Regel sich auch schon dementsprechend in einem fortgeschrittenen Lebensabschnitt befindend. So mancher davon konnte hin und wieder gar den Eindruck erwecken, er würde es zutiefst bedauern, dass die gute alte Prügelstrafe nicht mehr zur Anwendung kam.

Dann die „jungen wilden“. Ein oder zwei Generationen jünger, als die erste Kategorie und sich eifrig bemühend aber nicht wirklich könnend. Die kamen dann mit wahnsinnig tollen Ideen zu neuen Unterrichtsmethoden oder interdisziplinären Ansätzen, die sich in der Praxis aber als einziger Krampf herausstellten. Ich erinnere mich z. B. an einen Lehrer, den ich glücklicherweise nur recht kurz erlebte, der Kunst und Geschichte unterrichtete. Der hatte die wahnsinnig brilliante Idee, geschichtliche Ereignisse im Geschichtsunterricht spontan als Improvisationstheater darstellen zu lassen. Dass das grundsätzlich in die Hose ging und uns statt beidem, Geschichte und Kunst, weder das eine, noch das andere vermitteln konnte war eine Erkenntnis, der gegenüber er sich sehr resistent zeigte.

Und zu guter Letzt die, die es „einfach drauf haben“. Das ist wohl die seltenste Kategorie. Es scheint schon Glück zu sein auch nur einem davon zu begegnen. Mir war es beschieden, im Laufe der Zeit von mehreren dieser unterrichtet zu werden, vor allem gegen Ende meiner Schullaufbahn. Diese Menschen waren nicht nur engagiert und im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf der Höhe der Zeit, sondern auch erfrischend „normal“. Klar hatten die auch ihre Macken, konnten auch mal streng sein, konnten mal nerven. Aber bei denen war das nicht so wichtig, denn im Austausch dafür schafften sie es, Interesse zu wecken, zu motivieren und so auch Inhalte zu vermitteln.

Von all meinen Mathematiklehrern z.B. hat dies kein einziger geschafft. Niemand davon konnte mir den Wert und dies Schönheit der Mathematik vor Augen führen und ich weiss bis heute nicht zu welchem Anteil es an ihnen lag und zu welchem an mir. Wie zum einen bedeutend und zum anderen wunderschön Mathematik sein kann, dämmerte mir erst auf der Uni. Am Professor kann das nicht gelegen haben, der war schlimmer, als die meisten Lehrer. Ob es an Büchern gelegen hat, die ich zu der Zeit las, an der Anwendung der Mathematik in anderen Fächern oder etwas völlig anderem… Ich weiss es nicht. Aber hätte es während meiner Schulzeit ein Lehrer geschafft, mich das auch nur erahnen zu lassen, wer weiss, womöglich hätte ich als Mathematiker geendet. Aber daraus kann und möchte ich meinen Mathelehrern keinen Vorwurf machen. Denn wie gesagt: Ich kann nicht sagen, wieviel davon nicht auch an mir selbst gelegen hat.

Doch rückblickend, rosa Brille oder nicht, hatte ich eine schöne Schulzeit. Viele Dinge, die als alltäglich gelten, sind mir während meiner Schulzeit selten bis gar nicht begegnet. Gewalt, Drogen, Hass… lauter Dinge mit denen ich kaum konfrontiert wurde. Zwar gab es Zeiten, in denen auf Feiern der Alkohol in strömen floss und so mancher es damit übertrieb, doch scheinen wir das einige Jahre später erlebt zu haben, als es heute üblich zu sein scheint.

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Natürlich die drei Klassiker: Bücher, Tafel, Tageslichtprojektor. Selbst Video oder Filmprojektoren kamen nur äußerst selten zum Einsatz.

Bücher habe ich immer geliebt. Sobald ich einen eigenen Ausweis für die Stadtbücherei hatte, nutzte ich ihn intensiv und regelmäßig. Es gab einige Phasen, in denen ich täglich in der Bibliothek war.

Das einzige Mal, dass ich während meiner regulären Schulzeit mit Computern zu tun hatte, war während eines Differenzierungs-Kurses Informatik. Alles, was davon hängen geblieben ist, ist „So, da gehen die Rechner an und wenn man dann irgendwas eingibt zeichnet der einen Pythagoras-Baum.“ Konnte mich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich begeistern und war recht schnell abgehakt.

Das nächste Mal, dass ich in der Schule an einem Rechner saß, war dann erst in der Berufsschule. Da gab es dann auf einem völlig veralteten Windows Klickanweisungen für Word und Excel, die ich mir in den Jahren dazwischen schon wesentlich tiefer gehend zu Hause selbst beigebracht hatte.

Was ich während meiner Schulzeit zu Hause am Rechner schrieb, schrieb ich mit einem Textverarbeitungsprogramm auf meinem alten C64 und druckte ich dann mit einem fast genauso alten Nadeldrucker aus. Aber das kam höchstens eine Hand voll Male vor.

Und Internet? Zumindest in der Schule Fehlanzeige. Irgendwann wurde mal auf einem Schulfest auch „das Internet“ präsentiert. Das sah dann so aus, dass sich in einem viel zu kleinen Raum viel zu viele Leute um einen einzelnen Rechner scharten und dabei zusahen, wie sich minutenlang Bilder des des Hubble-Teleskops aufbauten, während einer der wenigen Schüler, die das Netz schon von zu Hause kannten erklärte, was das Internet überhaupt sein soll.

In meiner Oberstufe gab es auch einen Informatik-Leistungskurs. Aber in dem waren so wenige Schüler, dass ich mich wundere, wie der überhaupt zustande kam. Kurz vorm Abi wurde das inoffizielle Kursfoto geschossen, indem bei einer Kursfahrt das Auto, in dem sämtliche Kurmitglieder Platz gefunden hatten versehentlich geblitzt wurde.

Internet, „neue Medien“… Das gabs alles noch kaum bis gar nicht. Und soweit es das gab, hatte kaum ein Lehrer Ahnung, was das ist und wie man es benutzt.

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Was sonst wohl sollte ich hier schreiben, wenn nicht „Medienkompetenz“?

Ich habe allerdings auch kaum eine Ahnung, woran es in der Lehrerausbildung sonst noch hakt.

Ausser vielleicht dieses: Grundsätzlich bedarf es bei Lehrern egal welcher Fächer signifikanter Kenntnisse von Wissenschaftskunde und Wissenschaftstheorie. Man sollte der Meinung sein, gerade letzteres müsse durch die akademische Ausbildung der Lehrer eh gegeben sein, aber dem ist wohl nicht so. Mein Eindruck war und ist, dass die Lehrer in den meisten Fällen zwar durchaus Ahnung von ihrem Fach haben, aber nicht wirklich von der Wissenschaft dahinter. Ich vermisse zum Teil fundamentale Kenntnisse in den Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit und/oder soweit sie vorhanden sind die Fähigkeit und das bestreben, diese zu vermitteln. Vielen universellen wissenschaftlichen Methoden begegnet man bestenfalls in naturwissenschaftlichen Fächern obwohl sie für alle, wirklich alle Fächer relevant sind.

In engem Zusammenhang dazu fehlt der Blick „über den Tellerrand“. Die meisten Lehrer unterrichten zwei Fächer, mit deren Inhalten sie vertraut sind. Aber darüber hinaus stoßen sie bereits an ihre Grenzen. Das selbst mal in der Schule gelernte über andere Fachbereiche ist weitestgehend vergessen. Dabei sind solche Kenntnisse ungemein wichtig um Ansätze für interdisziplinäre Verknüpfungen zu finden. Sollte es im Deutsch-Unterricht nicht auch um Besonderheiten und Schwierigkeiten bei der Rezeption naturwissenschaftlicher Texte gehen? Sollte nicht auch die Bedeutung mathematischer Methoden in der Sozial- , Geistes- und Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Sind Kenntnisse aus naturwissenschaftlichen Fächern nicht durchaus relevant für die in anderen Fächern behandelten Weltbilder und umgekehrt?

Ich weiss nicht, ob es in diesen Dingen tatsächlich Defizite in der Lehrerausbildung gibt, oder ob ich da etwas falsch wahrnehme oder falsch erinnere, aber vielleicht kann es interessante Ansätze liefern.

Doch zurück zur eingangs genannten Medienkompetenz.

Ja natürlich müssen Lehrer mit Umgang und Einsatz der immer noch so genannten neuen Medien vertraut gemacht werden. Auch in Hinblick auf zuvor gesagtes, denn diese Medien lassen sich tatsächlich in allen Fächern einsetzen. Das ist unbestreitbar. Es gibt darüber hinaus jedoch im Umgang mit diesen Medien ein bedeutsames Defizit, dass sich gerade bei denen zeigt, die diese bereits einzusetzen versuchen.

Als Beispiel ein mir aus erster Hand berichteter Fall, in dem ein Lehrer die Note für gehaltene Referate maßgeblich von einer begleitenden Powerpoint-Präsentation abhängig machte. So begrüßenswert das Einbinden von Präsentationen und das erlernen einer solchen Einbindung auch ist, so sehr taten sich Probleme damit auf. Zum einen wurden andere Präsentationsformen gar nicht erst in Betracht gezogen, zum anderen wurde sich zwingend auf eine (nicht billige) spezielle Software festgelegt. Das bedeutete in der Praxis nun folgendes: Wollte ein Schüler eine passable Note für sein Referat, musste er sich zwingend die vorgeschriebene Präsentationssoftware beschaffen und Zugang zu einem Rechner bekommen, auf dem diese verwendet werden konnte. Ob die Schüler überhaupt Rechner hatten und ob diese Software darauf auch vorhanden war, spielte keine Rolle.

Neben den Kosten für Rechner, die nunmal nicht alle Familien aufbringen können, wird dabei auch immer wieder ausser Acht gelassen: auch so manche Software kostet Geld. Und das oft nicht wenig. Doch Lehrer scheinen nicht selten davon auszugehen, die könne man sich schon „beschaffen“. Und damit erfüllen sie ihre Vorbildfunktion äußerst schlecht. Soll man wirklich erwarten, dass Schüler davon Abstand nehmen, gecrackte und illegal kopierte Software für insgesamt bis zu mehrere Tausend Euro auf ihren Rechnern zu haben, wenn die Lehrer es sogar zu erwarten scheinen?

Dies darf bei einer Ausbildung zur Medienkompetenz sowohl bei Schülern wie auch bei Lehrern keinesfalls ausser Acht gelassen werden. Und zwingend einhergehen muss dies auch mit einer entsprechenden (durchaus auch nicht billigen) technischen Aufrüstung der Schulen. Nur so lassen sich Benachteiligungen der Schüler vermeiden, die zu Hause die entsprechenden Möglichkeiten nicht haben.

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Grundsätzlich eine ganze Menge, auch wenn ich aus unerfindlichen Gründen Schwierigkeiten habe, mir vorzustellen, wie der Einsatz als Lehrmittel aussehen könnte. Gut, es wäre eine Ergänzung zu Dingen wie Lehrfilmen und dem Lexikon oder Atlas im Regal. Aber damit wäre es eine Ausnahme, die nur bei Bedarf hervor gekramt wird. Da sollte mehr möglich sein.

Regelmäßige Podcasts zu bestimmten Themen als Ergänzung zum Unterricht? Konstruktives Kommentieren von Blog-Artikeln als Hausaufgabe? ScienceBlogs als Interesse weckender Motivator? Lernen, was man mit Wikipedia noch alles tun kann, ausser nach Schulschluß wild drin rumzuschmieren? Gut möglich.

Viel leichter vorstellen kann ich mir Einsatz außerhalb des Unterrichts in der Schule. Als Ergänzung oder gar Ersatz für die klassische Schülerzeitung zum Beispiel. So eine Schülerzeitung gab es an meiner Schule viele Jahre, bis sie irgendwann eingestellt wurde. Soweit ich mich erinnere nicht, weil sie keiner mehr lesen wollte, sondern weil sich keiner mehr fand, der dafür schreiben wollte. Themen hätte es sicher genug gegeben, jedoch keine Artikel dazu, die rechtzeitig vor den Erscheinungsterminen in ausreichender Zahl zur Verfügung standen. Solche Probleme gäbe es nicht mit Schul-Blogs, -Wikis und -Podcasts. Oder zumindest nur in wesentlich eingeschränkterer Form.

Ich weiss noch, wie wir das Thema Zeitung mal im Deutschunterricht behandelten. Wir entwarfen eine Schülerzeitung, dachten uns Themen aus und mussten dann einzeln oder zu zweit für Artikel recherchieren und diese Verfassen. Dies geschah dann auf alle nur erdenklichen Weisen und in verschiedenster Qualität, wurde dann irgendwie zusammengeschnippelt und aneinander gepackt, einmal für die ganze Klasse kopiert. Fertig.

Klar heute würde das wahrscheinlich anderes ablaufen. Mit richtiger Textverarbeitung und vernünftigem Layout usw. Aber es liefe auch dann wieder darauf hinaus, dass dann bestenfalls jeder in der Klasse eine Kopie davon bekommt und fertig. Was für eine Verschwendung von Potential. Und soll das wirklich motivierend sein? Wäre es nicht viel motivierender, wenn das mehr Leute lesen könnten, wenn man es richtig veröffentlichen würde? Was läge da näher, als die Möglichkeiten des Netzes zu nutzen? Zumal das dann auch gleichermaßen zu Qualität anregt wie zwingt. Wenn mans versaut bekommt es schließlich alle Welt mit. Gleiches gilt für „Mogeln“, sprich: Plagiate. Wer sich dreist an fremden Quellen bedient, um sich die Arbeit zu erleichtern, fliegt schnell auf.

5.  Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Ergänzen auf jeden Fall, aber ersetzen können und dürfen sie sie (vorerst zumindest) auf keinen Fall. Hier, wie zuvor auch schon an anderen Stellen gilt zu beachten: noch haben nicht alle Schüler Zugang zu diesen Möglichkeiten.

Und selbst wenn: nicht alle Schüler lernen gleich, auch nicht bei der Nachhilfe. Dem einen fällt es per Lesen leichter, dem nächsten per Hören, der dritte muss Bilder sehen, um Dinge zu kapieren, und bei manchen klappt es eben im Netz am besten. Aber bei niemandem funktioniert alles gleich gut. Rechner, das Netz und Online-Angebote haben zwar den Vorteil verschiedene Methoden der Vermittlung auf einmal bieten zu können. Aber was, wenn jemandem gerade der Zugang zu diesen technischen Möglichkeiten sehr schwer fällt?

Aber ersetzen müssen Online-Angebote auch gar nichts. Sie eröffnen einfach neue Möglichkeiten, die sich bisher verschlossen. Neue Möglichkeiten, auf die man ergänzend weder verzichten sollte noch darf. Eben auch deshalb, weil sie den Kreis potentieller Helfer und Hilfsmittel massiv erhöhen.

Je jünger die Kinder umso wichtiger ist dabei jedoch zum einen eine funktionierende Regulierung auf Seiten der Helfenden, wie auch ein waches Auge der Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten. Aber das möchte an dieser Stelle mal als selbstverständlich betrachten (auch wenn ich mir bewusst bin, dass das in vielen Zusammenhängen nicht gegeben ist).

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