Wieder einmal Petitionen

Posted on 8. Dezember 2009

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Aktuell gibt es wieder einmal unter den vielen verschiedenen E-Petitionen beim Deutschen Bundestag zwei, die mir besonders am Herzen liegen und die thematisch miteinander verwandt sind.

Da wäre zum einen die auch von der Piratenpartei unterstützte Open-Access-Petition „Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“, in der gefordert wird, „dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen.“.

Hier fasse ich mich kurz und verweise der Einfachheit halber auf die entsprechende Pressemitteilung der Piratenpartei vom 10. 11. 2009. Die Petition kann noch bis zum 22. 12.2009 mitgezeichnet werden. Also hopphopp, die Zeit wird knapp.

Die zweite, wie gesagt thematisch verwandte, Petition ist noch recht frisch und genießt noch vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit: „Arzneimittelwesen – Veröffentlichung aller Studien über Medikamente“. Der vollständige Petitionstext lautet:

Text der Petition

Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Pharmaunternehmen und Forschungsinstitute werden gesetzlich verpflichtet, alle Studien über Medikamente zu veröffentlichen, auch und insbesondere dann, wenn diese die Wirkungslosigkeit oder negative Wirkungen eines Medikaments belegen.

Begründung

Wie das am 24.11.2009 durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
bekannt gewordene Beispiel Reboxetin zeigt, kann das Verschweigen von Studiendaten dazu führen, daß Patienten ein Medikament bekommen, für das es keinen Nutzenbeleg gibt, das aber einen Schaden verursachen kann. Ärzte und Patienten müssen sich aber vollständig informieren können, um eine möglichst passende und nebenwirkungsarme Therapie gegen eine Erkrankung zu finden.

Der Forderung steht auch nicht die grundgesetzlich garantierte Freiheit von Forschung und Lehre entgegen, weil diese Freiheit nur bestehen kann, wenn unangenehme Fakten eben nicht unterdrückt werden.

Diese Forderungen sind berechtigt und einen Zusammenhang zur Open-Acces-Petition kann man in gewisser Weise darin sehen, dass bevor Forschungsergebnisse frei und kostenlos zur Verfügung stehen können, sie zunächst mal überhaupt veröffentlicht werden müssen. Und das ist eben leider allzu oft gar nicht der Fall.

Natürlich darf man dabei nicht ausser Acht lassen, dass es in der einen Petition ausschließlich um mit öffentlichen Mitteln finanzierte Forschung geht und die andere auch Arbeiten betrifft, die durch Pharmaunternehmen (also auch aus nicht-öffentlichen Mitteln) finanziert werden. Und so sehr das Auferlegen von Zwängen und Verpflichtungen an Wirtschaftsunternehmen für den ein oder anderen einen unangenehmen Beigeschmack haben mag, macht dies die Forderungen nicht weniger berechtigt und weniger wichtig. Und das nicht nur im Arzneimittelwesen.

Es ist ein Problem, dass die gesamte wissenschaftliche Forschung durchzieht: Bringt eine Studie oder Untersuchung nicht das gehoffte oder erwünschte Ergebnis, wird sie schlicht nicht veröffentlicht. Es wird getan, als hätte es sie nicht gegeben. Aber gerade und vor allem auch da, wo es um die Gesundheit geht, kann dies weitreichende Folgen haben. Und nicht zuletzt behindert es den Fortschritt wissenschaftlicher Arbeit. Wie viele aktuell laufende Studien sind wohl überflüssig und könnten vermieden werden, wenn die schon längst bekannten Ergebnisse nicht als unerwünscht irgendwo verschwunden werden? Genau weiss das wohl keiner. Denn wie gesagt: es ist, als habe es diese Untersuchungen nie gegeben.

Es wurden schon verschiedene Ansätze erdacht, dieses Problems Herr zu werden. Eine in meinen Augen sehr vielversprechende Idee, die möglicherweise auch ein Ansatzpunkt für die Umsetzung der in der Petition gestellten Forderung sein könnte, verlangt von Verlagen, die wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlichen, dies nur mit den Ergebnissen solcher Studien zu tun, die zuvor angekündigt waren. Auf diese Weise liessen sich unter anderem sehr leicht die Studien identifizieren, die „im Sande verlaufen“.

Alles in allem sind die Forderungen dieser Petition ein sehr wichtiger Schritt in eine richtige Richtung. Sie kann noch bis zu 19. 01. 2010 online unterzeichnet werden.

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