„Schwer pädokriminell“… wie wird man das eigentlich?

Posted on 21. September 2009

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„Schwer pädokriminell“, ein Kampfbegriff der in der Debatte um die unsäglichen Stoppschilder von Frau von der Leyen nahezu gleichbedeutend und gleichwertig benutzt wird, wie „versierter Internetnutzer“. Wie leicht wird man heutzutage eigentlich „schwer pädokriminell“? Diese Frage kann sehr schnell sehr akut werden.

Mein Internet-Anbieter hat ein technisches Problem. Woran es genau liegt, kann ich nicht sagen. Aber ich konnte in der Vergangenheit mehrfach einige Seiten nicht aufrufen, weil die Adresse nicht richtig aufgelöst wurde. Aktuellstes Beispiel wäre für mich http://www.talklikeapirate.com/

Wenn ich diese Seite mit den Standardeinstellungen aufzurufen versuche, lande ich nicht auf dieser, sondern auf der Such-Seite meines Internet-Anbieters. Dort wird mir die Seite auch in den Suchergebnissen angezeigt, aber wenn man draufklickt: Zack, wieder auf der Suchseite.

Das ist kein Einzelfall und scheinbar auch kein vorrübergehendes Problem. Es tritt über meinen Anbieter bei den verschiedensten Seiten auf und betrifft auch andere Nutzer. Die Namens-Auflösung, die die jeweilige durch Menschen leicht eingebbare Adresse (eben z.B. www.talklikeapirate.com) in die passende IP-Adresse übersetzt, funktioniert einfach nicht richtig. Mich interessiert nicht wirklich, woran das liegt, und es belastet mich auch nicht übermäßig. Denn man kann sehr leicht Abhilfe schaffen. Doch da beginnt das Problem.

Abhilfe gibt es in Form einer klitzekleinen Änderung in meinen Rechner-Einstellungen. Ich ändere den DNS-Eintrag und sage meinem Rechner so, er soll sich die Adresse nicht von meinem Anbieter übersetzen lassen, sondern von einem alternativen Server. Das geht ganz einfach und Anleitungen dafür gibt es reichlich im Netz. Danach kann ich nun jede Seite völlig problemlos aufrufen. Das ist etwas ganz alltägliches und Millionen Nutzer weltweit tun das aus den verschiedensten Gründen.

Warum sollte das also ein Problem sein?

Nun, dieser winzige alltägliche Eingriff reicht aus, um nach Definition Frau von der Leyens zum Kreis der versierten Internetnutzer zu gehören. Und ich bin damit auch schon ganz nah daran, „schwer pädokriminell“ zu sein, widerum nach Definition Frau von der Leyens und selbst des BKA. Denn:

Diese Einstellungsänderung würde auch dazu führen, dass ich die Stoppschilder, wenn sie denn tatsächlich eingeführt werden sollten, gar nicht zu Gesicht bekäme. Ich könnte eine solche Seite ganz normal aufrufen. Ich würde nie erfahren, dass sie eigentlich gesperrt wäre (die Sperrlisten sind ja geheim).

Doch damit nicht genug:

Wenn ich nun also wider Erwarten tatsächlich mal über eine eigentlich gesperrte Seite stolpern sollte (Ich kenne niemandem, dem es jemals passiert wäre, versehentlich auf einer Seite mit zu beanstandendem Material zu landen), kann und wird man mir dies als absichtliches Umgehen der Sperre (von der ich ja aber gar nicht wusste und hätte wissen können) auslegen. Mir kann ein Vorsatz unterstellt werden, der niemals gegeben war. Und da es nach Ansicht Frau von der Leyens und des BKA technische Gründe (wie in meinem Fall und vielen anderen Fällen) für eine solche Einstellungsänderung offenbar gar nicht geben kann, bin ich wohl ab sofort „schwer pädokriminell“

Schöne neue Welt.

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