Frau von der Leyen und die Netiquette

Posted on 23. Juli 2009

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Oha, Frau von der Leyen sprüht auch weiterhin geradezu vor Kreativität. In einem Interview mit der Rheinischen Post, offenbarte sie nun einen weiteren brillanten Geistesblitz:

Frage: Sehen Sie weitere Felder, wo Kinder und Jugendliche im Netz besser geschützt werden müssen?

Frau von der Leyen:

Ja, bei den sozialen Netzwerken im Internet, die Jugendliche gerne nutzen. Ich möchte gemeinsam mit den Verantwortlichen solcher Kommunikationsforen, aber auch mit der Kompetenz der Jugendlichen einen Verhaltenskodex entwickeln. Es geht um achtsamen und wachen Umgang miteinander. Minderjährige müssen beispielsweise wissen, dass sich Erwachsene mit üblen Absichten in ihre Chats einschleichen können. Sie können soziale Kompetenzen im virtuellen Miteinander ebenso erwerben wie im realen Leben. Mobbing im Netz kann nicht toleriert werden. Respektvoller Umgang muss in Chats, blogs oder Foren so selbstverständlich sein, wie wir das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordern.

Das ist eine hervorragende Idee, großartig. Das meine ich wirklich ernst. Die ist sogar so klasse, dass man sich fragen muss, warum da nicht schon früher jemand… ach nee, Augenblick mal… da stimmt was nicht…
Könnte es vielleicht sein, dass tatsächlich schon jemand auf die Idee gekommen ist?
Ja, jemand ist.

Was Frau von der Leyen beschreibt, ist im Netz als Netiquette bekannt. In ihrer ursprünglichen Form wurde die Netiquette von den Nutzern des Usenet entwickelt. Das Usenet ist ein recht alter Teil des Internets und wurde bereits 1979 ins Leben gerufen. Den Usenet-Nutzern war klar, dass Kommunikation gewisser Regel bedarf und so wurde ein Satz von Verhaltensempfehlungen aus der Gemeinschaft der Nutzer heraus entworfen: eben die Netiquette (Netz-Etikette). Eine klassische Version dieser Netiquette gibt es zum Beispiel hier.

Dabei blieb es jedoch nicht. Auf Netiquetten stößt man im Internet praktisch überall, wo zwischenmenschliche Kommunikation eine Rolle spielt. Dabei haben sich natürlich verschiedene Varianten herausgebildet. Aber vor allem: auch jedes auch nur halbwegs seriöse Kommunikations-Angebot für Kinder und/oder Jugendliche im Netz, bietet eine eigene, der Zielgruppe und dem Medium angepasste und bei Bedarf auch erweiterte Version Netiquette und macht das Einhalten dieser in der Regel zu einem Teil seiner Nutzungsbedingungen.

Das alles gibt es bereits jetzt schon, ohne, dass es des brillanten Verstandes unserer Familienministerin dafür bedurfte. Und nicht erst seit gestern, sondern bereits seit den Anfangstagen des Netzes.

Daher, liebe Frau von der Leyen:
Beginnen sie doch bitte endlich damit, sich mit den Dingen vertraut zu machen, von denen sie zu sprechen beabsichtigen. Und zwar bevor sie darüber sprechen. War der Indien-Zwischenfall denn nicht bereits Mahnung genug? Ist dies wirklich die Art, wie sie sich weiterhin mit den sogenannten neuen Medien auseinandersetzen wollen?

Naja, wenn dem so ist, soll es mir auch recht sein. Mit kaum etwas verschaffen sie den Piraten mehr Wind in den Segeln, als mit der fortgesetzten Zurschaustellung peinlicher Komptenz- und Kenntnislücken auf diesem Gebiet.

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