Der Kiosk-Mann und die Piraten.

Posted on 9. Juli 2009

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Der Kiosk um die Ecke gehört einem Iraner. Das war sicher nicht sein Traumjob, aber sein Studium war wohl plötzlich nichts wert, als er nach Deutschland kam. Was schade ist. Sein Deutsch ist nicht perfekt, aber gut zu verstehen und bei weitem gut genug, um mit ihm über Politik diskutieren zu können. Und das auf überdurchschnittlichem Niveau.

Die ersten heißen Debatten hatten wir zu Beginn des letzten Golf-Krieges, zu dem er sich die Position der US-Regierung zu eigen gemacht hatte. Die entsprechende Begeisterung zu Kriegsbeginn konnte und wollte ich da nicht einfach stehen lassen. So wurde aus „nur mal eben Zigaretten holen“ leicht eine Aktion, die 1-2 Stunden dauern konnte.

Man sollte in einem Streitgespräch mit ihm keinesfalls annehmen, man habe einen leichten Gegner vor sich. Wie gesagt: er hat studiert, wenn ich mir auch nicht mehr sicher bin, was. Ein technischer Studiengang müsste es gewesen sein. Er ist politisch interessiert und auch den Geisteswissenschaften nicht abgeneigt. Letztens las er wieder Nietzsche als wenig zu tun war. Und die Piraten kennt er mittlerweile natürlich auch.

Die letzte heiße Debatte führten wir über das Zugangserschwerungsgesetz und die Position der Piraten zu diesem Thema. Mit Recht ist er besorgt um das Wohl von Kindern und da sei es doch gut, wenn etwas getan wird. Es dämmerte ihm nicht sofort, was daran falsch sein sollte. Damit ist er nicht allein. Im Gegensatz zu so manch anderen ist er aber bereit, sich der eigenen Meinung widersprechende Argumente anzuhören und die eigenen zu überdenken, wenn es dabei auch schonmal recht hitzig werden kann. So mancher Berufspolitiker könnte diesbezüglich von ihm noch was lernen. Überdacht hat er es und mittlerweile ist er der Ansicht, das die Piraten auch in diesem Punkt eine durchaus vernünftige Position vertreten. „Doch, ich muss sagen, ich finde gut, was ihr da macht.“

Mittlerweile fragt er auch andere Leute, was sie von den Piraten halten. Dabei hat er ein Problem entdeckt: „Euch kennen zu viele Leute gar nicht. Viele können nichts mit euch anfangen.“. Recht hat er. Aber das ändert sich ja mittlerweile.

Durch und durch Pirat ist er wahrscheinlich nicht. Er versucht, möglichst neutral zu bleiben. Er unterstützt alle demokratischen Parteien und wer fragt, ob er bei ihm Werbezettel auslegen darf, bekommt gern eine positive Antwort. Es sei gut, dass es verschiedene Parteien gebe, das sei wichtig für die Demokratie. Und deshalb sei es auch gut, dass es die Piraten gebe.

Wie gesagt: Von ihm kann noch so mancher was lernen.

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