Black Flag Flying

Posted on 9. Juli 2009

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Mit wehender schwarzer Fahne (engl.: black flag flying) ist ein Video unterwegs, mit dem YouTube-Nutzer SBartsch87 seit einiger Zeit auf die Piratenpartei aufmerksam machen möchte. Dies, „Black Flag Flying“, ist der Titel des Liedes, das über die ganze Länge des Videos zu hören ist.

Romantisch verklärend beschreibt das Lied das Piratenleben in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie man es sich sich, nicht zuletzt durch Filme geprägt, gemeinhin vorstellt. Ein abenteuerliches Leben in absoluter Freiheit mit Schiffen voller Gold und Seeleuten, die beim Anblick der schwarzen Flagge die Flucht ergreifen. Die Geschichte einer „sehr militanten sozialen Bewegung“, wie der Sänger in seinen einleitenden Worten sagt.

Der Sänger, das ist der US-amerikanische Liedermacher David Rovics. Seine Musik wird von Wikipedia als „Protest-Folk“ beschrieben. Und zu protestieren hat er einiges . Er singt über George W. Bush, den Irak-Krieg und Guantanamo, über Tsunami- und Hurricane-Opfer und den Kilmawandel, über soziale Ungerechtigkeit und die Globalisierung und selbst über Dinge wie Berlin im Jahr 1944.

Ein sehr engagierter Mensch also. Und das sollte umso mehr eine Frage aufdrängen, die in diesen Zeiten sehr wichtig ist: Ist dem Mann eigentlich recht, dass man eines seiner Lieder einfach in einem Video verwendet? Noch dazu ein einem, das Werbung für eine politische  Partei macht? Darf man das überhaupt?

Man darf. Und das aus gutem Grund. David Rovics verschenkt seine Musik nämlich. Nicht ausschließlich. Er verkauft schon auch Musik-CDs. Und trotzdem stellt er alle seine Lieder zum kostenlosen herunterladen im Internet zur Verfügung. Seine Internet-Seiten betrachtet er als „virtuellen Gitarrenkoffer“, den er aufstellt, wie ein Straßenmusiker. Wem seine Musik gefällt, der kann etwas „in den Koffer werfen“ oder eine CD kaufen.

Seine Meinung zum Musik-Tauschen im Internet ist dabei eindeutig:

Fühlt Euch frei, diese Lieder herunterzuladen. Benutzt sie, wofür ihr möchtet. Verschickt sie an Freunde, brennt sie euch auf CD, kopiert sie, spielt sie im Radio, im Internet oder wo auch immer. Musik ist Gemeingut. Ignoriert die Musikindustrie, die Euch was anderes erzählt. Musik herunterzuladen ist kein Diebstahl, ihr schadet niemandem, ich versprech es Euch. (Und für alle Fälle, ja, das ist legal und ich stelle alle diese Lieder selbst zur Verfügung)“

[englischer Originaltext hier]

Auch wenn es die Vertreter althergebrachter Musikvermarktung und Rechteverwertung schockieren mag: für David Rovics scheint diese Rechnung aufzugehen. Und er ist sehr produktiv. Aktuell bringt er eine neue CD mit dem Titel „Har Har Har“ heraus. Sie enthält 16 Piratenlieder für Kinder. Auch diese gibt es bereits vollständig zum herunterladen.

David Rovics tut damit etwas, was von manchen Seiten als unmöglich betrachtet wird, oder bestenfalls als schwerer Tabubruch. Die Verwertungsindustrie tut so, als ginge die Welt unter, wenn sie nicht mehr zwischen Künstler und Konsument steht. Doch er zeigt, dass es tatsächlich auch anders gehen kann. Dass man an einem scheinbar unumstößlichen Dogma rütteln darf. Dabei ist nicht den Umweg über die kommerziellen Vermittler zu gehen kein Sakrileg, sondern etwas recht natürliches.

Ob Herr Rovics denn auf diese Weise tatsächlich von seiner Musik allein leben kann? Ich weiss es nicht. Vielleicht kann er es nicht, aber ihm scheint das egal zu sein. Ihm geht es darum, Inhalte zu vermitteln. Und war das nicht schon immer einer der wichtigsten Aspekte der Kunst? Ja, vielleicht hat er kein zum bersten mit Gold gefülltes Schiff. Aber er liegt auch nicht in den Ketten einer Industrie, die mehr an sich selbst interessiert ist, als an ihm. Er ist frei.

Frei, wie die Piraten in seinem Lied.

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Posted in: Musik, Urheberrecht