Organspendeausweise

Geschrieben am 6. Juni 2010

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Gestern war Tag der Organspende. Mit etwas Verspätung möchte ich dies zum Anlass nehmen, auch an dieser Stelle ein Paar Worte zu diesem Thema zu verlieren. Dies soll aber weniger Werbung für das Spenden von Organen sein, als vielmehr Werbung für den Organspendeausweis.

Jetzt mag man natürlich annehmen, das sei prinzipiell das gleiche. Wer einen Organspendeausweis hat will ja Organe spenden, oder? Falsch gedacht.

Die Entscheidung, was nach dem Tod mit dem eigenen Körper und seinen Organen geschehen soll, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Es ist mehr oder weniger die letzte Entscheidung, die man für sich selbst treffen kann. Das lässt zumindest mir diese Angelegenheit recht wichtig erscheinen. Dennoch machen viele Menschen von der Möglichkeit dieser Entscheidung keinen Gebrauch.

Die meisten scheinen davor zu scheuen, sich mit derartigen Fragen auseinander zu setzen. Das ist nachvollziehbar und bis zu einem gewissen Grad verständlich. Damit schafft man das Problem jedoch nicht aus der Welt: wir alle werden irgendwann sterben. Und je nachdem, unter welchen Umständen dies geschehen wird, wird die Frage im Raum stehen, was dann mit einem geschehen soll.

Wir können natürlich alle davon ausgehen, dass wir steinalt werden, friedlich „einschlafen“ und dass unsere altersschwachen Innereien dann eh nicht mehr zu gebrauchen sind. Aber in sehr vielen, vielleicht sogar der Mehrheit aller Fälle, wird das nicht der Realität entsprechen. Die Möglichkeiten, dass es anders kommen kann, sind grenzenlos und in vielen solcher Fälle steht die Frage dann eben doch im Raum: Organe spenden oder nicht? Nur ist man dann nicht mehr in der Lage dazu, diese Entscheidung selbst zu treffen.

Dann wird etwas geschehen, das ich niemandem zumuten wollen würde: Die Angehörigen müssen befragt werden. Die Vorstellung, dass irgendwann, vielleicht morgen, vielleicht in vielen Jahren, meine Familie nicht nur mit meinem plötzlichen Tod konfrontiert werden könnte, sondern sich parallel dazu auch noch mit der Frage auseinandersetzen müsste, was mit meinen Innereien geschehen soll, gefällt mir nicht. Ganz und gar nicht.

Zumal hinzu kommt: Den Angehörigen wird damit ein Entscheidungsprozess aufgezwungen, der nicht einmal zu einer echten Entscheidung führt. Denn aus den Aussagen soll nur auf den wahrscheinlichen Willen des Verstorbenen geschlossen werden. Selbst zu entscheiden haben sie streng genommen gar nicht. Das ganze ist also ein zusätzlicher und vor allem gänzlich überflüssiger potentieller Stressfaktor in dieser Situation. Und es gibt keine Garantie, dass das Ergebnis dessen tatsächlich dem entspricht, was man sich gewünscht hätte.

Daher bin ich ein großer Fan von Organspendeausweisen. Mit einem solchen Ausweis geht man dabei keinesfalls die Verpflichtung ein, seine Organe vollständig zur Verfügung zu stellen. Im Gegenteil: man kann nicht nur genau angeben, was man spenden möchte und was nicht, sondern auch sogar ausdrücklich angeben, dass man in keinem Fall überhaupt etwas spenden möchte.

Ein solcher Ausweis, eine solche Willenserklärung, erleichtert nach dem eigenen Ableben allen beteiligten den Umgang mit dieser Angelegenheit. Er ist meines Erachtens ein Muss für jeden Menschen.

Es ist sehr leicht, an einen solchen Ausweis zu kommen. Man kann ihn sogar einfach aus dem Netz herunterladen, ausdrucken und ausfüllen.

Aber, das möchte ich jedem sehr ans Herz legen und es ist wahrscheinlich die größte Hürde dabei, der sich viele Menschen nicht stellen wollen: was man da reinschreibt sollte nicht halbherzig entschieden sein. Überlegt Euch also gut, wie ihr ihn ausfüllt.

Es ist allein Eure Entscheidung. Aber trefft sie auch. Rechtzeitig.

Links

http://de.wikipedia.org/wiki/Organspende

http://de.wikipedia.org/wiki/Organspendeausweis

http://www.organspende-info.de/

http://www.organspende.de/

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